Mathis Orgelbau - Jahresberichte
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Kloster Einsiedeln (CH), historische Tragorgel im Festsaal

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Historische Tragorgel Benediktinerabtei Einsiedeln

 

Die Herkunft der Tragorgel im grossen Saal des Benediktinerklosters Einsiedeln ist zwar unbekannt, doch ähnelt das Werk in zahlreichen Details einer im Bibliothekssaal des Klosters Fischingen befindlichen Orgel von ca. 1727/28, dass es eventuell wie diese von Johann Jakob Bommer aus Weingarten beziehungsweise einem seiner Lehrer oder Schüler erbaut worden sein könnte.

Das einen dreiteiligen Prospekt aufweisende Instrument präsentierte sich zuletzt in einem vom Original stark abweichenden Zustand, der bei einem Umbau 1980 geschaffen wurde (Umbau des Prospekts, neue Klaviatur mit modernen Tastenmensuren sowie einem veränderten Tonumfang, Ersatz der originalen Keilbalganlage mit Schöpftritt in der Gehäusefront durch ein Schleudergebläse mit Schwimmerbalg, etc.).

Die originale Disposition

Manual, C kurz - c''':

Copel 8'
Flöte 4'
Principal [ab D im Prospekt] 2'
Quint 1 1/2'
Octav 1'

war auf vier Register

Manual, E - c''':

Gedeckt 8'
Principal 4'
Gedeckt [E-dis' im Prospekt] 4'
Octave 2'

abgeändert, die Windlade dem Platzbedarf des neuen Pfeifenwerks entsprechend umgebaut sowie von den fünf original erhaltenen metallenen Registerschiebern einer stillgelegt worden. Die alten Holzpfeifen kamen bei diesem Umbau der Orgel 1980 wieder im veränderten Werk zu stehen, während die alten Metallpfeifen zur Gänze durch neue Fabrikpfeifen ersetzt wurden.

Als Vorlage für die Restaurierung und Rekonstruktion der Einsiedler Tragorgel wurden die erwähnte Bommer-Orgel im Bibliothekssaal des Klosters Fischingen sowie eine ähnlich konzipierte, im Besitz des Schweizerischen Landesmuseums Zürich befindliche Appenzeller Hausorgel von 1785 herangezogen.

Nach ihrer Restaurierung ist die Tragorgel wieder ein schönes Beispiel der heimischen Kleinorgelkunst, wie sie im 18. sowie beginnenden 19. Jahrhundert im Emmental, im Toggenburg sowie in den Kantonen Zürich, Appenzell und Graubünden gepflegt wurde. Da Zwinglis Lehre Orgel- und Instrumentalmusik in der Kirche ausschloss, verlagerte sich damals das Orgelspiel unter anderem in die Bauernstuben der ländlichen Gebiete, wo je nach Region unterschiedliche Orgeltypen mit verschiedenem Zierat entstanden.

Die heute in Einsiedeln befindliche Tragorgel dürfte aufgrund ihrer äusseren Formen und Proportionen aus dem Bodenseeraum, vielleicht aus dem Appenzell, stammen. Zu den Merkmalen der meist anonymen Appenzeller Orgel zählt unter anderem, dass die Pfeifen im dreiteiligen Prospekt des verschliessbaren Orgelkastens auf einer durchgehenden Horizontalen stehen und auch die Labien in einer Waagrechten bleiben.

Nachdem im Laufe der Geschichte viele solcher Kleinorgeln verloren gingen, gibt es heute im Gegensatz zur Toggenburger Orgel mit etwa fünfzig erhaltenen Werken nur mehr wenige Appenzeller Instrumente. Welcher Region die Einsiedler Orgel letztlich auch zugehört, wichtig ist in jedem Fall, dass sie heute als neuerstandenes Kleinod einer vergangenen Epoche wieder ein authentisches Klangerlebnis zu vermitteln vermag.
Günter Lade


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