

  

  
 
 
 
 
 
 
 
 
|
Mathis
Orgelbau
Kurzprofil
- 1960 Gründung der Orgelbaufirma M. Mathis &
Co. durch Manfred Mathis
- 1977 Umwandlung in eine Familien-AG
- 1992 Übernahme der Firma durch Hermann Mathis
- Geschäftsleiter: Hermann Mathis
- Geschäftsleitung Finanz: Jakob Etter
Tätigkeitsbereich
- Neubau
- Restaurierung und Rekonstruktion
- Reinigung und Revision
- Stimmungen
- Service und Beratung
Charakteristik
- Umfassende Planung neuer Pfeifenorgeln
- Herstellung sämtlicher Bestandteile inklusive Pfeifen
in Einzelfertigung Weltweit anerkannte Restaurierungstätigkeit
an historischen Instrumenten

Näfels
Günter Lade
50 Jahre Mathis Orgelbau: 1960-2010
Die Mathis Orgelbau AG ist ein Familienunternehmen, das vor
fünfzig Jahren von Manfred Mathis gegründet wurde und heute
zu den führenden Werkstätten des europäischen Orgelbaus
zählt.
Manfred Mathis - 1927 in Näfels geboren - absolvierte eine
Schreinerlehre, bevor er ab 1945 in Genf bei Gustave Tschanun sowie dessen
Nachfolger Rudolf Ziegler zum Orgelbauer ausgebildet wurde. 1949 legte
er die Gesellenprüfung ab und verbrachte anschliessend in Frankreich
einen mehrmonatigen Studienaufenthalt in einigen Orgelbaubetrieben, bevor
er in die Schweiz zurückkehrte und hier intensiv mit den französischen
Intonateuren Maurice Hurbein und Paul Beurtin zusammen arbeitete. Beide
Meister waren einst in den berühmten Werkstätten Cavaillé-Coll/Mutin
in Paris bzw. Merklin in Lyon beschäftigt und hatten nach dem Erlöschen
dieser Firmen in der Schweiz ein neues Tätigkeitsfeld gefunden. Manfred
Mathis lernte bei ihnen aus erster Hand die Intonation französisch-romantischer
Zungen-, Streicher- und Flötenstimmen. 1956 wurde er Intonateur der
Firma Metzler in Dietikon, am 3. Mai 1960 machte er sich selbständig
und gründete in Näfels im ehemaligen Ökonomiegebäude
des Letzhofes (Foto) einen eigenen Betrieb.

Manfred Mathis
Ersters Werkstattgebäude im Näfelser Letzhof
Bescheiden ausgestattet mit seinem persönlichen Orgelbauwerkzeug,
einer Hobelbank, einigen Möbeln, einer Schreibmaschine und einem
Occasionsauto hatte Manfred Mathis das Glück, nur kurze Zeit nach
Firmengründung Arbeit zu erhalten und mit seinem Schaffen Vertrauen
und damit weitere Aufträge zu gewinnen: Am 30. Mai 1960 konnte mit
der Benediktinerabtei in Disentis der Vertrag für den Einbau eines
neuen Werkes mit 8 Registern in das von Silvester Walpen (1802) stammende
Rückpositivgehäuse (als zusätzliches Werk zur grossen Orgel)
abgeschlossen werden. Kurz darauf folgte der Auftrag für das erste
vollständige Instrument, eine zweimanualige Orgel in der Kapelle
des Diakonissen-Mutterhauses in Riehen.

Disentis (CH), Abteikirche
Riehen (CH)
Mathis' strenger kunsthandwerklicher Grundsatz, unter Rückbesinnung
auf die Werte der barocken Orgelbaukunst ausschliesslich beste Qualitätsarbeit
zu leisten, zeitigte Erfolg: „Ende der fünfziger Jahre kam
die ‚kernstichlose Intonation' in Mode, eine Intoniertechnik, die
ich mir bereits angeeignet hatte. In der Schweiz wurde diese Novität
noch selten praktiziert. […] Die intensive Auseinandersetzung mit
dieser Stilwende, verbunden mit der damit zusammenhängenden Besinnung
auf die instrumentenbaulichen Gesetzmässigkeiten der Orgel bis in
die letzte Konsequenz (wie Gehäuse, Trakturen, Werkgestaltung, Windanlage
usw.) erkannte ich als vorrangige Aufgabe. In dieser Situation besass
mein junger Kleinbetrieb eine optimale Wendigkeit und Anpassungsfähigkeit.
Diese Konstellation brachte viele Interessenten und Kunden ins Haus.“
Orgelneubauten wie beispielsweise in Altendorf, Pfarrkirche St.
Michael (1961, II-P/24) sowie der ersten dreimanualigen Mathis-Orgel in
Goldach, Pfarrkirche St. Mauritius (1962, III-P/44) folgte bereits 1963
der erste Auslandsauftrag: Manfred Mathis' junge Firma wurde mit dem Bau
einer dreimanualigen Orgel für die barocke Schutzengelkirche in Eichstätt
betraut. Nach Jahren des kunsthandwerklichen Niedergangs im Orgelbau (Freipfeifenprospekte,
verstreute Werkaufstellungen, rein elektrische Traktursysteme, etc.) sollte
dieses Instrument erstmals in Süddeutschland wieder eine rein mechanische
Traktur mit geschlossenen Gehäusen, logischen Werkverteilungen und
niedrigen, abgestuften Winddruckbemessungen erhalten. Das 1966 vollendete
Werk war klanglich wie auch technisch richtungsweisend und brachte dem
nun bereits 12 Mitarbeiter umfassenden Näfelser Betrieb ein auf Jahre
gefülltes Auftragsbuch ein.
Eichstätt (DE), Schutzengelkirche
Da sich die Räumlichkeiten im Näfelser Letzhof bald als zu klein
erwiesen, hatte Manfred Mathis noch 1963 an der Näfelser Hauptstrasse
ein landwirtschaftliches Gebäude erworben und in eine Zinnpfeifenwerkstatt
mit angrenzendem Intonierraum umgebaut. Das Platzproblem war jedoch damit
nicht dauerhaft gelöst und so kaufte Mathis 1965 am Näfelser
Kleinlinthli ca. 6000 m2 Industrieland, um hier in mehreren Etappen eine
neue Produktionsstätte aufzubauen. 1966 fand der erste Spatenstich
für ein Werkstattgebäude mit Montagehalle und Maschinenraum
statt. 1969/70 - dem Betrieb gehörten nun bereits über 20 Mitarbeiter
an - folgte der zweite Bauabschnitt: Das Festhalten an der traditionellen
Massivholzbauweise erforderte eine grosse Lagermenge erstklassigen, naturtrockenen
Schnittholzes und so wurde nun in Kombination mit einer Zinnpfeifenwerkstatt,
zwei Intonierräumen, einer Schlosserei und einem Magazin eine grosse
halboffene Holzlagerhalle errichtet.
Holzlager
Ende der siebziger Jahre standen mehrere grössere Instrumente auf
dem Arbeitsprogramm, u.a. für Näfels, Pfarrkirche St. Hilarius
(III-P/39), Bern, Dreifaltigkeitsbasilika (III-P/41), Zürich-Altstetten,
Heilig Kreuz Kirche (III-P/34), Wil, Stadtkirche St. Nikolaus (III-P/45)
in der , Schaan, Pfarrkirche St. Laurentius (III-P/36) in Liechtenstein,
Ingolstadt, Franziskanerkirche (III-P/35), Neumarkt i.d. Oberpfalz, Stadtkirche
St. Johannes (III-P/43) in Deutschland, Ried im Innkreis, Stadtpfarrkirche
St. Peter und Paul (III-P/35) in Österreich sowie Brunico, Chiesa
parrocchiale Sta. Maria Assunta (III-P/38) in Italien. Da diese Orgeln
teilweise bis zu dreizehn Meter Höhe aufweisen sollten, bedingte
dies 1979 die Errichtung eines entsprechend hohen und grossen Montagesaales
mit modernsten Hebeeinrichtungen. Als letzter Bauteil wurde schliesslich
1995 ein eigener Bürotrakt hinzugefügt.

Näfels, Am Linthli 10
Der Betrieb wird seit 1992 in der zweiten Generation von Hermann Mathis
geführt, der im Frühjahr 1971 als Lehrling in die Firma eintrat
und hier zum Orgelbauer, Klanggestalter und Intonateur ausgebildet wurde.
Daneben absolvierte er auch ein Klavier-, Orgel- und Chorleiterstudium
und wirkt bis heute nebenberuflich als Organist und Chorleiter der Dreikönigskirche
in Netstal.

Hermann Mathis
Manfred Mathis konnte anlässlich des 25jährigen Firmenjubiläums
stolz feststellen: „Das weltweit anerkannte Renommee unseres Hauses
verdanken wir zum grössten Teil unserem Personal, welches selbst
während der ‚wilden' Hochkonjunkturjahre zur Firma hielt, nämlich
jenen Leuten, die täglich gewissenhaft ihre Pflicht erfüllen
und sich auszeichnen durch ihr Können und ihr hohes Berufsethos“.
Die Beschäftigung hoch qualifizierter Facharbeiter ist auch
heute noch wesentlicher Bestandteil der Firmenphilosophie. Sie garantiert,
dass mit Ausnahme der elektronischen Komponenten alle Einzelteile einer
Orgel wie auch Gehäuse und das gesamte Pfeifenwerk im eigenen Hause
hergestellt werden können. Mathis Orgelbau ist somit ein Kunsthandwerkbetrieb,
in dem stets nur an einem Werk gearbeitet wird. Der gesamte Entstehungsprozess
eines neuen Instruments bleibt überschaubar und jede Orgel wird als
Unikat gefertigt.

Olten (CH), St. Martin
Mariazell (AT), Hauptorgel
 
Einsiedeln (CH) , Klosterkirche: Marienorgel
Zur Firmenphilosophie zählt auch die eigene Zinnpfeifenwerkstatt,
in der jährlich tonnenweise reines Zinn und Blei verarbeitet werden.
Wie vor Jahrhunderten im Orgelbau üblich, wird das im Schmelzkessel
legierte Metall zu Platten gegossen, aus denen dann in alter handwerklicher
Manier die einzelnen Pfeifen hergestellt werden. Für die Fabrikation
der 5301 Metallpfeifen der Basler Münsterorgel wurde beispielsweise
monatelang im Betrieb geschmolzen, gerollt, gehobelt, geschnitten, gerundet,
gelötet und vorintoniert. Das Herstellen der Pfeifen in der eigenen
Werkstatt garantiert nicht nur bei Neubauten sondern auch bei Restaurierungen
bzw. Rekonstruktionen von historischem Pfeifenmaterial exzellente Klangergebnisse.


Da technisch getrocknetes Holz im qualitativ hochstehenden Instrumentenbau
immer Risiken in sich birgt, werden die Massivhölzer im Holzlager
von Mathis Orgelbau nach wie vor in traditioneller Art während vier
bis zwölf Jahren gelagert und damit naturgetrocknet. Diese optimal
vorbereiteten Hölzer werden dann zu den verschiedensten Holzbestandteilen
einer Orgel wie Gehäuse, Windladen, Rasterbretter, Pfeifen oder Abstrakten
verarbeitet.

Die überaus komplexe Konstruktion einer Pfeifenorgel muss bis in
das kleinste Detail auf die speziellen Gegebenheiten des jeweiligen Bestimmungsortes
abgestimmt sein. Von einem guten Orgelbauer werden deshalb sowohl handwerkliche
Fähigkeiten wie auch ein grosses stilistisches Einfühlungsvermögen
verlangt. Neben der Qualität der Materialien und der handwerklichen
Ausführung legt Mathis Orgelbau deshalb auch auf das äussere
Erscheinungsbild der neuen Instrumente grossen Wert. Eine Orgel soll sich
stets harmonisch in die Architektur ihres Bestimmungsraumes einfügen
und ihn ergänzen, jedoch nicht beherrschen. Die Gestaltung der Orgelprospekte
und -gehäuse ist ein lang währender Prozess, bis nach zahlreichen
Entwürfen und Diskussionen mit Bauherrschaften, Organisten, Architekten
sowie kirchlichen und staatlichen Behörden die optimale architektonische
Gestaltung eines neuen Instruments gefunden ist.

Vatikan, Sixtinische Kapelle
Von wesentlicher Bedeutung sind auch die akustischen Eigenheiten eines
Raumes und die musikalischen Bedürfnisse eines Auftraggebers, da
diese Parameter für die Grösse einer neuen Orgel und ihr Klangbild
prägend sind. So kommen wir in der Beschreibung der Firmenphilosophie
von Mathis Orgelbau zum Klang der Instrumente, deren Mensurplanung auf
der Grundlage sorgfältiger akustischer Analysen der jeweiligen Bestimmungsräume
vorgenommen wird. Nach den Mensurplänen werden dann die Metall- und
Holzpfeifen hergestellt, vorintoniert und schliesslich am Aufstellungsort
zur klanglichen Vollkommenheit gebracht. Die Intonateure des Hauses Mathis
sind im Nebenamt selbst als Organisten tätig und somit sehr gut mit
den Erfordernissen der kirchenmusikalischen Praxis sowie des konzertanten
Repertoires vertraut. Sie streben nach einem obertonreichen und singenden
Klangbild ohne Härte und Schärfe, das nicht nur ausgewogen kraftvolle
Plena, sondern auch elegante, farblich und dynamisch vielfältig abgestufte
Registrierungen erlaubt.

Görlitz (DE), Sonnenorgel
In den vergangenen fünfzig Jahren durfte Mathis Orgelbau
in vielen Ländern der Erde mehr als 350 neue Instrumente erbauen
und historisch wertvolle Orgeln aus verschiedenen Epochen restaurieren.
Die Mitarbeiter sind dankbar und freuen sich, mit ihrem Schaffen an vielen
Orten der Welt Sonntag für Sonntag zur Verherrlichung Gottes beizutragen
und Menschen in Konzerten sowie mit Rundfunk-, Fernseh-, DVD- und CD-Aufnahmen
bedeutender Interpreten Freude bereiten zu dürfen.

Basel (CH), Münster
|