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Den ersten Kontakt mit dem einzigartigen Raum und seiner Orgel hatten wir vor Beginn der in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts durchgeführten Kirchenrestaurierung. Unter dem damaligen Stiftsdekan Prälat Wilhelm Schätzler strebten Stiftskapellmeister Prof. Josef Kohlhäufl, der Orgelsachverständige der Diözese Regensburg und Stiftsorganist, Prof. Norbert Düchtel, sowie Orgelsachberater Karl Norbert Schmid einen Orgelneubau im historischen Gehäuse an, der nach einem ersten Dispositionsvorschlag 37 Register auf drei Manualen und Pedal umfassen sollte. Bei der Wiederaufnahme der Planungen 2005 standen erneut Überlegungen zur optimalen Grösse einer neuen Orgel in der Alten Kapelle, deren Innenraum über ein Raumvolumen von rund 11.500 m3 bei 300 bis 500 Sitzplätzen verfügt. «Das bestehende Gehäuse setzt durch seine Ausmasse fest definierte Grenzen. Im Normalfall würde bei einer akustisch und räumlich vergleichbaren Situation eine wohl eher grosse Orgel gebaut, die auch eine klangliche «Sicherheitsreserve» enthält. Bedingt durch das historische Gehäuse müssen sich die Verantwortlichen hier jedoch auf das Wesentliche beschränken.» (Hermann Mathis, Juni 2005) Das überkommene Gehäuse der Weiss-Orgel wurde im Juni 2005 minutiös vermessen. Dabei wurde festgestellt, dass es im Laufe der Zeit teilweise beträchtliche Veränderungen erfahren hat. Am Unterbau waren der originale, geschweifte Abschluss des ursprünglich eingebauten Spieltisches, die gesamte Spielnische sowie verschiedenes Schnitzwerk in Füllungen und Konsolen nicht mehr vorhanden. Im Bereich des Oberwerks fehlten Dach und Seitenwände, während sich innerhalb des Gehäuses eine nicht originale Tragkonstruktion fand, die nun wieder entfernt ist. Bald stand die Frage im Raum, wie Weiss einst das voluminöse Pfeifenwerk des Pedals mit drei 16 Registern in den dafür vorgesehenen Pedaltürmen untergebracht hatte. Die maximale Höhe für die Pedalpfeifen beträgt ab Stockkante 4,40 m, die längsten Pfeifen der 16-Register messen jedoch wesentlich mehr, z. B. Violon Bass In Übereinstimmung mit dem historischen Gehäuse folgt die Disposition der neuen Orgel mit geringfügigen Erweiterungen derjenigen von Andreas Weiss. Mit 40 Registern auf zwei Manualen und Pedal verfügt das Instrument gerade durch seine Zweimanualigkeit über vielfältigste Klangmöglichkeiten. |
| Der Bau der neuen Orgel
Nach dem detaillierten Aufzeichnen des historischen Gehäuses wurden bis Ende Juli 2005 die Klangplanung durchgeführt und aufgrund des Mensurplans die Windladengrundrisse erstellt. Bereits am 8. August 2005 begannen mit der Herstellung von Einzelteilen (insbesondere des Pfeifenwerks) die ersten Arbeiten in der Werkstatt. Im Unterbau des Gehäuses ist die Windanlage untergebracht, links der Ventilator, rechts der Balg des Hauptwerks sowie hinter dem Spieltisch der Magazinbalg für das gesamte Instrument. Die Pfeifenanordnung bereitete in den Manualwerken keine Probleme. In den Pedaltürmen war das Platzangebot jedoch sehr beschränkt. Weiss hatte deshalb, wie bereits erwähnt, die grössten Pfeifen des Principal Bass 16 ausserhalb des Gehäuses an der Gehäuserückwand aufgestellt, die nun wieder dort platzierten Pfeifen sind in den Grundrissen und Seitenansichten ersichtlich. Ausschnitte am Fuss der Gehäuserückwand sowie Spuren in der Balkenkonstruktion der Empore liessen vermuten, dass sich einst einige Pedalregister auch an der Kirchenrückwand in einem separaten Gehäuse befanden. Im Zuge der Dispositionsoptimierung wurde beschlossen, einige Nebenregister einzubauen, wie sie im Barock und Spätbarock sehr beliebt waren. Dieser Entscheid entstand im Hinblick auf die klanglichen Vorstellungen der Entstehungszeit der Stiftskirchenausstattung sowie auf Grund der Tatsache, dass bereits Vorgängerorgeln in der Stiftskirche solche Nebenregister besessen hatten.
Die ursprüngliche Spielnische wurde aufgrund der Spuren am Gehäuse rekonstruiert. Die Klaviaturen sind auf Konsolen an das historische Orgelgehäuse angebaut. Die Registerstaffelei, das Notenpult und die höhenverstellbare Orgelbank sind in Nussbaum gefertigt.
Die 1974 erbaute und zu ersetzende Orgel der Alten Kapelle wurde im Januar 2006 mit Ausnahme des auf der Orgelempore verbleibenden Gehäuses vollständig demontiert und einige wenige zur Wiederverwendung vorgesehene Pfeifenreihen in die Werkstatt nach Näfels transportiert. Die Sanierung von Empore und Orgelstandort erfolgte in den Monaten Februar bis März, so dass mit der technischen Montage der neuen Orgel begonnen werden konnte. In den Monaten Mai und Juni folgten durch den Kirchenmaler die Oberflächenbehandlung des Orgelgehäuses und von Juni bis Juli die zweite Montageetappe mit technischen Regulierungen sowie der Anlieferung aller Pfeifen, an die sich von Juli bis September die Intonation anschloss. Artikel als pdf-Dokument herunterladen (70 KB)
Mathis 2006, II-P/40
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Für Grossansicht bitte auf das jeweilige Foto klicken. Verein zur Pflege der Kirchenmusik |
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