
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Für Grossansicht bitte auf das jeweilige Foto klicken.
Günter Lade Artikel als pdf-Dokument herunterladen (80 KB) Konzept und technischer Aufbau Die Chor- bzw. Mariazellerorgel
Dieses Rückpositiv war einst sowohl akustisch wie auch gestalterisch von grosser Bedeutung: Das Gleichgewicht zwischen dem voluminösen Hauptgehäuse und dem ursprünglich 11 Register aufweisenden Rückpositiv ergab sich durch dessen exponierte Stellung in der Emporenbrüstung, wo es neben seiner günstigen Klangabstrahlung auch optisch die seitlichen Flügel des Hauptgehäuses miteinander verband und somit eine überzeugende architektonische Einheit von Orgel und Orgelempore gewährleistete.
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Mit dem Ausbau der elektropneumatischen Taschenladen-Orgel im April 2001 konnte die gesamte Gehäusekonstruktion untersucht werden. Ausschreibung, Angebot und Vertrag waren davon ausgegangen, dass das Sonnholz-Hauptgehäuse von 1737/39 unverändert erhalten sei. Genaue Untersuchungen Stepans führten jedoch zu der Erkenntnis, dass der Unterbau und die Gehäuseteile auf der rückwärtigen Galerie wohl im Zuge des Umbaus durch Cäcilia 1929 wesentliche Veränderungen erfahren haben. Die Seitenwände des Emporendurchgangs wurden deshalb unter Wiederverwendung historischer Teile (Türen, Beschläge, etc.) in ihrer Originalgestalt rekonstruiert. Um die neue Orgel mit einem optimalen klanglichen Fundament ausstatten zu können, schlug Hermann Mathis den Kommissionsmitgliedern vor, Principal 16' des Pedals in Holz vollständig neu herzustellen und die historischen Prospektpfeifen von nun an als Violonbass 16' C-f ' des Pedals sowie Principal 16' c°-d''' des Hauptwerks (C-H mit neuen Holzpfeifen auf der Windlade) zu nutzen.
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Die Orgel in der Werkstatt im Bau
Der technische Aufbau der neuen Orgel präsentiert sich wie folgt: Hinter den seitlichen Türmen des Hauptprospekts kam je eine Windlade des Pedals zu stehen, während die zwei Windladen des Hauptwerks zentriert Aufstellung fanden. Das hinter dem Hauptwerk befindliche Schwellwerk mit ebenfalls zwei Windladen hat unter dem Gewölbebogen durch das Hauptwerk freie Abstrahlmöglichkeiten in den Kirchenraum, während ganz zurückstehend die voluminösen Pedalstimmen Untersatz 32' sowie Principalbass 16' aufgebaut sind. Eigentlich sollten diese Register auf der Galerie hinter der Orgel in eigenen Gehäusekörpern zu beiden Seiten des Westfensters aufgestellt werden. Auf Wunsch und nach dem Entwurf des verantwortlichen Basilikaarchitekten Wolfgang Feyferlik kamen die bis zu 5,5 Meter hohen Pfeifen jedoch direkt hinter der Orgel frei auf einem geschweiften Architrav zu stehen, das aus statischen Gründen, da Feyferlik keine Stützen auf dem Emporenboden wünschte, mit einer eingebauten Kastenträgerkonstruktion aus feuerverzinktem Stahl (ähnlich Hochspannungsmasten) konstruiert wurde.
Aus Gründen der optimalen Absprache befinden sich die Pfeifen des Principals 16' auf beiden Seiten der aussergewöhnlichen, 11.5 m langen Windlade, während die Pfeifen des Untersatz 32' (C-Fis akustisch als 10 2/3') direkt vor der Rückwand der Orgel Aufstellung fanden. Die langwelligen Schallemissionen beider Register können sich von hier aus sowohl durch den Emporeneingang wie auch über die Galerien gut verbreiten. Bezüglich der Spielanlage musste entschieden werden, diese wie einst bei Sonnholz mit Blick des Organisten zum Kirchenschiff zu konzipieren oder gemäss einer im österreichischen Orgelbau wiederholt anzutreffenden Konzeption direkt an das Rückpositiv anzubauen. Die Entscheidung fiel für einen freistehenden Spieltisch mit Blick zur Orgel, der durch Reduktion der Positivtiefe von elf auf zehn Register vor dem Gehäuse bündig mit den Prospektpfeifen aufgestellt werden konnte und so dem Spieler eine relativ gute Klangkontrolle aller Teilwerke erlaubt. Die Drehung um 180° brachte auch den Vorteil, dass das Rückpositiv als schlanker Einzelkörper mit guter Zugänglichkeit zu seinem Innenwerk konzipiert und ausserdem auch die mechanischen Trakturen des Spieltisches orgelbautechnisch einfach gestaltet werden konnten.
Die Spielanlage verfügt über drei Manualklaviaturen zu 56 Tasten, die Untertasten sind mit Bein belegt und die Obertasten in Ebenholz gefertigt. Die 30 Pedaltasten mit normaler Teilung sowie doppelt geschweifter Form sind in Nussbaum gefertigt und die Obertasten mit Ebenholz belegt (c° unter c'). Die Registerzüge sind werkweise angeordnet; links von unten nach oben Pedal und Schwellwerk, rechts Hauptwerk und Rückpositiv. Die Verteilung der Manuale entspricht der modernen, von der französisch-symphonischen Orgel übernommenen Reihung: Hauptwerk (I), Positiv (II) und Schwellwerk (III). Der Arbeitsaufwand für das neue Instrument betrug mehr als 16.000 Arbeitsstunden, wobei in der Werkstatt der Firma Mathis neben dem Bau der präzisen Spielmechanik auch alle Pfeifen aus hochwertigem naturgetrockneten Holz hergestellt bzw. aus speziellen Metalllegierungen selbst gegossen, poliert, gerundet, gelötet und vorintoniert wurden. Das in der Gewölbenische über dem Schwellkasten befindliche, aus Schalenglocken gefertigte Glockenspiel (g°-g'') erklingt von der ersten Manualklaviatur. An weiteren Spielregistern wurden in die neue Orgel eingebaut: Zimbelstern (vom Kirchenschiff aus nicht sichtbar), Vogelgesang (vier verkehrt stehende und mit ihrer Öffnung in ein Wassergefäss getauchte Pfeifen), Nachtigall (eine Pfeife, deren Tonhöhe mechanisch verändert wird) sowie eine nach dem Auftraggeber Superior P. Karl Schauer OSB benannte Regenmaschine (mit kleinen Eisenkugeln in einem aus Holz gefertigten sowie an der Aussenkante mit Blech verkleideten Rad). Die Windanlage der neuen Orgel kam mit zwei Magazinbälgen wie bei Sonnholz an der Orgelrückwand über dem Emporeneingang zu stehen: ein Balg für Hauptwerk und Pedal, der andere für das Schwellwerk und die beiden Bassregister auf dem hinter der Orgel befindlichen Architrav. Das Rückpositiv verfügt über einen eigenen Balg, der sich in seiner unmittelbaren Nähe im Emporenboden befindet. |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Der zentrale, an mehreren Orten des Kirchenschiffs aufstellbare Hauptspieltisch wurde nach dem Entwurf des Basilikaarchitekten Wolfgang Feyferlik direkt von der Firma Heuss erbaut und verfügt ohne Dekorationen über ein funktionales Eichenholzgehäuse. Er ist reines Werkzeug und soll diese Aufgabe nach dem Willen seines Gestalters auch optisch zeigen. Die neuen Orgeln der Mariazeller Wallfahrtsbasilika sollen sich klanglich unterscheiden und Kontraste schaffen, sich trotz aller gewollten Verschiedenheit aber auch nahtlos ergänzen, sodass beim Spiel der Mathis-Orgeln am Generalspieltisch sowie bei einem gleichzeitigen gemeinsamen Spiel mehrerer Organisten auf allen vier Orgeln von einem einzigen Klangkörper gesprochen werden kann. In diesem Sinne soll das Spiel auf dem Zentralspieltisch im Kirchenschiff nicht nur die technische Machbarkeit oder praktische Notwendigkeit einer solchen Anlage demonstrieren, sondern vor allem musikalische Möglichkeiten bieten. Hans Haselböck hat dies am 9. November 2003, dem Tag der Orgelweihe durch den Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn, mit der Uraufführung seiner für die vier Mariazeller Orgeln geschriebenen Komposition «Missa cellensis» eindrucksvoll demonstriert. |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||