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Konzept und technischer Aufbau
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Diese architektonische Teilung hatte für die Mariazeller Orgelgeschichte grosse Bedeutung. 1737 bis 1739 baute Gottfried Sonnholz auf der Westempore ein dreimanualiges Werk mit 36 Registern. 1752 folgten ausserdem auf der Höhe des Gnadenaltares zwei einmanualige Orgeln auf den Seitenemporen, mit deren Aufstellung der einheimische «organarius cellensis» Joseph Georg Schnepfleithner betraut wurde. Die Salzburger Firma Cäcilia versuchte 1929, den Kuppelraum in ein Geamtorgelkonzept mit einzubeziehen. Als drittes Manual einer im historischen Sonnholz-Gehäuse eingebauten elektropneumatischen Hauptorgel baute sie hinter der Glorie des Hochaltars ein schwellbares Fernwerk (10 Manual- und 1 Pedalregister), das jedoch mit seinem säuselnden Klang der Aufgabe einer «Chororgel» niemals gerecht werden konnte und deshalb anlässlich der Restaurierung des Hochaltars (1997 bis 2000) vollständig entfernt wurde. Wie in der Einladung zur Anbotlegung für eine neue Chororgel 1997 ausgeführt, macht heute die erneuerte liturgische Praxis wieder eine grössere Orgel für den östlichen Liturgiebereich notwendig: «Die Basilika ist durch die Cella mit dem Gnadenaltar in zwei Liturgiebezirke geteilt. Die westliche Hälfte ist der Raum für die Wallfahrtsgottesdienste. Die östliche Hälfte der Kirche mit dem neu gestalteten Liturgiebezirk Presbyterium-Kuppelraum-Vierungsraum ist der Ort für grössere und sehr grosse Liturgiefeiern sowie für den Pfarrgottesdienst. Da es aus mehreren Gründen nicht möglich ist, mit der Westorgel die liturgischen Aufgaben einer Orgel für den östlichen Liturgiebezirk adäquat zu erfüllen, wird dieser Bereich ein eigenständiges Instrument erhalten ...» (Superior P. Karl Schauer, Orgelkommission Mariazell: Konzept. Vordere Orgel in der Basilika Mariazell. Einladung zur Anbotlegung, Mariazell 1997) Die Überlegungen der von Superior P. Karl Schauer OSB einberufenen Orgelkommission betrafen zunächst mögliche Standorte wie eine mittelachsige Aufstellung unmittelbar an der Ostseite der Gnadenkapelle bzw. eine doppelseitige Konzeption, wie sie in der Geschichte des Orgelbaus u.a. in der Stiftskirche der Benediktinerabtei Einsiedeln verwirklicht wurde. Die Entscheidung fiel schliesslich für eine neue Orgel an der Nordwand des Kuppelraumes, wo das Werk zwischen den eng beieinander liegenden Eingängen des Treppenaufgangs zu den Galerien (Rundgiebel) sowie zur nördlichen Sakristei (Dreiecksgiebel) zu stehen kommen sollte. Um den Prozessionsweg innerhalb der Kirche nicht zu beeinträchtigen, wurden dem Orgelbauer an maximalen Dimensionen eine Tiefe des Orgelfusses sowie des Pfeifenwerks inklusive Stimmgang von jeweils einem Meter sowie über den Gesimsen der beiden Türen eine Prospektbreite von etwa fünf Metern vorgegeben, wobei laut Ausschreibung ausdrücklich keine historisierende, sondern eine moderne Prospektgestaltung gewünscht wurde. Der Auftrag zum Bau der neuen Orgel wurde im März 1998 an die Firma Mathis Orgelbau vergeben, deren Offerte und Prospektentwurf die Mitglieder der Orgelkommission überzeugen konnte. Als Ausgangspunkt für die technische Anlage des Werkes wurden die Vorgaben der Orgelkommission respektiert, sodass die äusseren Masse eingehalten wurden und sich die Werk- und Ladenplatzierung in einer quasi Kreuzform präsentieren. Oberhalb der Spielanlage befindet sich das Präludierwerk, dessen Schwelljalousien durch den vorgeblendeten Prospekt nicht sichtbar sind. In der Höhe des Architravs befindet sich darüber mittig das Hauptwerk, das durch die beiden Pedalladen flankiert wird. Die flächige Aufstellung des Pfeifenwerks und die daraus folgende Ladenplatzierung garantieren eine optimale Klangabstrahlung sowie durch kürzeste Verbindungswege eine sensible, angenehm spielbare Traktur. «Während wir verschiedenste Prospektgestaltungsarten skizzierten, drängte sich die Erkenntnis auf, dass die Orgelfront, bedingt durch die seitliche und einseitige Aufstellung, möglichst schlicht und flach gehalten werden sollte. Damit die nötige Tiefe des Werkes nicht voll sichtbar wird, suchten wir die Lösung in einem konkaven Frontverlauf, dessen seitliche Tiefe nur einen guten Meter beträgt. Die Gestaltung des Entwurfs ist einfach und entspricht damit dem heutigen Empfinden, wobei auf Schmuck bewusst verzichtet wird, da dieser durch harmonische Formen sowie Detailgestaltung zum Ausdruck kommen soll. Als Grundmodul wurde die Diagonale der Nordwand gewählt, wobei die Proportionen der Prospektfelder und Gestaltungselemente als Teile dieses Grundmoduls entstanden sind. Weitere, die Nordwand prägende Elemente wurden verarbeitet, und so sind die vertikalen Pfeiler, die horizontalen Gesimse sowie die Formen und Rahmen der Bildnischen im Bogenbereich an der Orgel ablesbar. Auch die Sprache der hochstehenden Säulen am Hochaltar ist zu vernehmen. Die seitlichen, konvexen Ausrundungen klingen ebenfalls an die Altarform mit ihren eindrücklichen Rundungen an und geben dem Gehäuse Schlankheit und Zurückhaltung.» (Angebot der Firma Mathis Orgelbau vom 17. Juli 1997) Auf Wunsch der diözesanen Liturgie- und Kunstkommission sowie des Bundesdenkmalamtes begannen nun mit dem verantwortlichen Basilikaarchitekten Wolfgang Feyferlik lang währende Diskussionen um die definitive Prospektgestalt der neuen Orgel, die letztlich nach Feyferliks Entwurf und Modell ein vollständig neues Gewand erhielt und in dieser Form auch beschlossen und verwirklicht wurde.
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Hinter den zentralen Pfeifenfeldern mit Principalbass 16' des Pedals (ab F) befinden sich die beiden Windladen des Hauptwerks (Principal 8' im Prospekt), während in den beiden Flanken mit Octavbass 8' im Prospekt die Windladen des Pedals (jeweils C- und Cis-Seite) platziert sind. Die gute Zugänglichkeit des Pfeifenwerks und damit ungehinderte Klangabstrahlung ist auch hier optimal gegeben: Durch eine seitliche Tür gelangt man in die obere Etage des Haupt- und Pedalwerks, wo es zwischen dem gefalteten Prospekt und den herkömmlich aufgestellten Windladen über die gesamte Breite der Orgel einen bequemen Stimmgang gibt. Die grössten Pfeifen von Hauptwerk und Pedal sind über die Hauptwerkswindlade, in den quaderförmigen Mittelturm ragend, abgeführt. Die Windversorgung mit Hauptbalg und Gebläse sowie die Schaltkästen für die Setzeranlage befinden sich in einem eigens geschaffenen Raum unter der Stiege zur nördlichen Galerie, der für Windzufuhr und Luftansaugung mittels zweier Kernbohrungen mit dem Kirchenraum verbunden ist. Günter Lade «Das Konzept der Disposition orientiert sich stilistisch an süddeutsch-österreichischen Vorbildern des ausgehenden 18. Jahrhunderts und berücksichtigt die vielfältigen Erwartungen an ein Instrument in einer Wallfahrtskirche. Die zahlreich vorhandenen Grundstimmen, die sich durch charakteristische Klangfarben und eine grosse dynamische Spannweite auszeichnen, sowie der Formenreichtum der Aliquoten tragen den Anforderungen der Improvisation bei den mannigfaltigen liturgischen Feiern Rechnung. Nicht zuletzt der sehr schmale Raum bedingte eine relativ milde Intonation. Das Präludiermanual fungiert einerseits als alternierendes Werk zum Hauptwerk, dient andererseits zur Begleitung von Solisten und ist daher schwellbar angelegt.» (Markus Zepp: Quader und Wolke. Die neue Orgel im Kuppelraum der Basilika Mariazell, in: Orgel International, 2000, Nr. 5, S. 342) Die Disposition der im September 2000 vollendeten, von Hermann Mathis intonierten Chor- bzw. Mariazeller Orgel lautet: |
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Mathis 2000, II-P/29
Die Manualwerke sind mit einer hängenden Traktur ausgestattet, die durch ihre Art und die zudem kurzen Wege eine sensible Tastenmechanik garantiert. Im Protokoll der Kollaudierung am Tag der Orgelweihe durch Diözesanbischof Maximilian Aichern aus Linz schreibt Prof. Dr. Hans Haselböck u.a.: «Es wurden Materialien bester Qualität in handwerklich hervorragender Ausführungsweise verbaut. Die Konstruktion des Werkes berücksichtigte die strengen Auflagen der Liturgie- und Orgelkommission, sie ist eine Leistung, die grosses technisches know-how mit planerischem Einfallsreichtum bei gestellten Vorgaben verbindet. Die technische Anlage funktioniert einwandfrei. Die Tontrakturen vermitteln ein angenehmes Spielgefühl, die Spielanlage ist unkompliziert bedienbar. Die Intonation der Orgel ist erwartungsgemäss ausgefallen. Das Instrument vermag den Raum adäquat zu beschallen. In klanglicher Hinsicht wird das Instrument die gestellten kirchenmusikalischen Anforderungen erfüllen.» (Protokoll vom 7. September 2000, ms. Dokument) |
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